Die Tradition von Märkten in Lienz

Fürstenfreie Märkte, Jahrmärkte, Wochenmärkte Das Wirtschaftsleben in früherer Zeit war bestimmt von Märkten, denen eine weit größere Bedeutung zukam als heute.

Nach dem Haupturbar der Herrschaft Lienz von 1583, in dem teils jahrhundertealte Traditionen festgehalten sind, gab es in Lienz die zwei "fürstenfreien" Märkte zu Leonardi (6. November) und die Schwesternkirchweih, dh. zum Kirchtag der Kirche der Dominikanerinnen mit dem Patrozinium Maria Heimsuchung, abgehalten vor dem Sonntag Remeniscere in der Fastenzeit. Diese beiden Märkte, die bereits von den Grafen von Görz als Landesfürsten vom Marktzoll befreit worden waren, dauerten je zwei Wochen.

Daneben gab es noch vier Jahrmärkte, zu Philipp und Jakobi (1. Mai), Jakobi "im Schnitt" (25. Juli), Michaeli (29. September) und Thomas (21. Dezember). Zu diesen Jahrmärkten, die ebenfalls lange Tradition hatten, kamen noch die Wochenmärkte.

Eine neue Marktordnung der Freiherren von Wolkenstein-Rodenegg aus dem Jahr 1537 gewährte nicht nur zusätzliche Wochenmärkte, sondern regelte den Handel am Markt zugunsten der Konsumenten. Zum Beispiel hatten die jährlich ausgewählten vier "Beschätzer" zusammen mit dem Stadtrichter verderbliche Waren zu kontrollieren, damit niemand "seines gesunds beraubt" werde. Bei diesen Märkten (Wochenmärkte) konnte jeder, ob arm oder reich, seine Waren zu angemessenem Preis feilbieten.

Es bedeutete für die Lienzer auch ein echtes Privileg, wenn der Handel außerhalb der Stadt ausdrücklich verboten wurde und sich daher auf die Stadt konzentrierte.

Univ.-Doz. Dr. Meinrad Pizzinini